„Ganz gewisses Kribbeln“ beim Sprung aus dem Korb

„Ganz gewisses Kribbeln“ beim Sprung aus dem Korb

Martin Steinseifer und Pilot Thomas Siebel bereiten sich in Warstein auf DM vor Luftballons weisen den Weg zur optimalen Startposition beim Paraballooning

Von Petra Dorenkamp

Warstein – Nachdem Wetterexperte Michael Nill beim Briefing am frühen Samstagmorgen über ein „Rotes Nebel-Geschwür“ auf seinem Wetterradar berichten musste, bedeutete dies für die Ballöner die erste Morgenstartabsage der 20. Montgolfiade. Für den Abendstart ließ sich der Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes allerdings dann zu einer mutigen Aussage verleiten: „Wenn dieser Abendstart nicht klappt, fresse ich einen Besen“, hieß es beim Briefing, und auch Moderator Jürgen Lutter ließ es sich nicht nehmen, diese ungewöhnliche Prognose des Wettermanns an die bereits zahlreichen Gäste auf dem Montgolfiade-Gelände weiterzugeben.

die dann gegen 18 Uhr gegebene Startfreigabe ermöglicht auch den ersten Start des diesjährigen Paraballooning-Wettbewerbes. Während sich auf dem Startgelände emsiges Treiben bemerkbar macht und die zahlreichen Balloonteams ihre bunten Hüllen aufrüsten, heißt es für die 15 am Wettbewerb teilnehmenden Teams „ Aufbruch zum Außenstart“.

Sieben bis acht Kilometer vom Startgelände entfernt sollen die Ballone starten, frühester Startzeitpunkt 18.30 Uhr, so lauten die Startbedingungen der Teams.

Richtung Belecke geht es zunächst. bei einem kurzen Stop im Industriegebiet Wiebusch wird ein kleiner mit Helium gefüllter Luftballon gestartet, mit dessen Flugbahn man dann einen möglichst geeigneten Startplatz ermitteln kann.

Dennoch geht es noch eine ganze Zeit über Straßen und kleine Feldwege, bis sich das Team von Thomas Siebel schließlich für einen Startplatz oberhalb von Altenrüthen entscheidet. Gemeinsam mit einem zweiten Ballonteam wird auf einem Stoppelfeld, unterhalb der zahlreichen Windräder, in Windeseile aufgerüstet.

Mittlerweile ist es dann jedoch fast 19 ihr, als sich der Warsteiner Ballon mit der Kennung D-OOMG mit Pilot Thomas Siebel und Springer Martin Steinseifer an Bord in die Lüfte erhebt. Fast 4000 Fallschirmsprünge hat Martin Steinseifer schon absolviert, aber ein Sprung aus dem Heißluftballon bringt für ihn immer noch das „ganz gewisse Kribbeln“.

Wettbewerb Vorbereitung auf Deutsche Meisterschaft

Auf fast 1200 Meter muss der Ballon steigen, um dem Springer einen sicheren Sprung zu ermöglichen. Sechzig Sprünge aus dem Ballonkorb hat er schon absolviert, ruhig, aber voll konzentriert versucht er, mit dem Piloten einen möglichst geeigneten Absprungort zu finden.

Voran steigen über dem Startgelände die bunten Ballone auf und weisen den Weg zum Ziel. Für den Fallschirmspringer gilt es, beim Paraballooning-Wettbewerb einen Zielsprung zu absolvieren. Auf dem Montgolfiadegelände ist auf einer Landwiese ein Zielkreuz markiert, das es möglichst genau zu treffen gilt.

Dann geht es plötzlich ganz schnell, Höhe und Position sind gefunden, die Freigabe der Deutschen Flugsicherung Frankfurt ist erteilt, da sitzt Martin Steinseifer schon auf dem Korbrand und springt ab. Zehn bis zwölf Sekunden im freien Fall bei fast 200 Stundenkilometern werden in etwa 800 Meter Höhe durch das Öffnen des Fallschirms abgebremst. Zunächst einmal über den Zielpunkt gleitend, landet er schließlich nur wenige Minuten später 3,60 Meter neben dem Zielkreuz und belegt im Wettbewerb den 5. Platz.

Für Pilot Thomas Siebel verschwindet der Springer nach seinem Sprung allerdings nicht nur aus dem Korb, sondern auch komplett aus dem Sichtfeld. Für ihn gilt es jetzt, weitere Aufgaben des Wettbewerbes zu erledigen. Dunkle Wolken, die Regen mitbringen, ein plötzlich aufkommender, drehender Wind und ein Ausfall seines PC’s erschweren die Erfüllung der Aufgaben „Fly in“, „Box fahren“ und „Qual der Wahl2 erheblich.

Voll konzentriert fasst Thomas Siebel schließlich kurz vor Eversberg eine frisch gemähte Wiese zur Landung ins Auge und setzt dort um 20:10 Uhr sicher mit seinem Balloon auf. Das Verfolgerteam mit seiner Frau Chiriane, den beiden Söhnen Leon und Luca Mateo, sowie den beiden Helfern Andi und Christoph ist dank moderner Computertechnik sofort zur Stelle.

Um die Ballonhülle vor dem drohenden Regen zu schützen, verschwinden Ballon und Korb in Windeseile im Anhänger des Gespanns. Langsam verschwindet die Anspannung, und das Team lässt die aufgrund der widrigen Verhältnisse sichtlicher nicht ideale Ballonfahrt Revue passieren.

Nachdem man Gas getankt hat. trifft sich das gesamte Siebel-Team schließlich zum Night-Glow auf dem Festgelände wieder. Danach verschwinden die Ballöner in ihren Wohnwagen, um Kraft zu tanken für den nächsten Wettkampf-Start der Paraballooner am Sonntagmorgen.

„Dort wollen wir dann die Fehler der heutigen Fahrt beseitigen“, schmunzelt Thomas Siebel. Die Starts beim Warsteiner Paraballoonung Wettbewerb nutzt sein Team zur Vorbereitung auf die Deutschen Meisterschaften, immer mit dem großen Ziel vor Augen, sich für die Weltmeisterschaft im Paraballooning 2012 in Amerika zu qualifizieren.

Veröffentlicht:
Soester Anzeiger 06.09.2010

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